Als Psychotherapeutin für Kinder- und Jugendliche begegne ich täglich vielen sogenannten „auffälligen“, „gestörten“, „problematischen“ oder „kranken“ Kindern und Jugendlichen. Bei näherer Betrachtung all dieser oftmals sehr individuellen Probleme und Schicksale erstaunt und berührt mich immer wieder aufs Neue, wie wenig sich die meisten dieser Betroffenen ihrer Fähigkeiten, Qualitäten und Stärken, also mit einem Wort: ihrer eigenen Ressourcen bewusst sind – wörtlich übersetzt heißt Ressourcen nichts anderes als „zurück zur Quelle“. Doch statt vertrauensvoll auf diese (Über-) Lebensquellen zu schauen, scheinen alle Beteiligten eher wie fixiert auf die vermeintlichen Probleme zu starren. Den Blick auf vorhandene Ressourcen zu richten, fällt dem Großteil, insbesondere den Eltern, mitunter sehr schwer. Dabei verfügen die meisten Kinder und Jugendliche über weitaus mehr und vor allem über erheblich wertvollere und wichtigere Ressourcen als die im Vordergrund stehenden „defizitären Verhaltensweisen“. Unsere Ressourcen sind wie Quellen. Wie Quellen die uns Menschen gleichermaßen nähren und heilen. Quellen, die uns befähigen selbst schlimmste Zeiten oder gravierende Probleme zu überwinden. Deshalb sollten wir um ihre Existenz und insbesondere um ihre Wirkweise wissen, sie trainieren, pflegen und angemessen wertschätzen.

Genau aus diesem Grund entstand die Idee für und teilweise auch mit den Kindern und Jugendlichen, Metaphern, also bildliche Zugänge zu eben diesen Ressourcen zu entwickeln. Das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit finden Sie in den Geschichtenbüchern und den geplanten Folgebüchern. Die ersten und einführenden Geschichten dieser Buchreihe beschäftigen sich zunächst noch überwiegend mit Erklärungen zu den Funktionsweisen unseres Gehirns in Bezug auf die Entstehung von unangenehmen und belastenden Befindlichkeiten. Allerdings immer auch unter der Prämisse, diese zukünftig mit dem Etablieren von Ressourcen überwinden zu können. Denn Ressourcen mindern ganz entscheidend die Entstehung und Manifestation von Problemen, Ressourcenmangel dagegen wirkt verstärkend.

Kind